Zeit, so ein kostbares Gut!

Unsere Zeit am Morgen ist wie bei vielen anderen ziemlich begrenzt. Alles beginnt damit, den Wecker überhaupt wahr zu nehmen um dann erstmal ausgiebig weiter zu snoozen. Irgendwann rolle ich dann aus dem Bett und stehe endlich auf.

Mit Wuschelkopf schleiche ich ins Bad, blinzle in den Spiegel, schmier mir Augenkorrektur Creme ins Gesicht und beginne mir die Zähne zu putzen. Halbwegs wach gehts zum Kleiderschrank, anziehen.

Danach wir das Kind geweckt und fertig gemacht. Flasche Milch in die Hand, Kaffee in den To Go Becher gefüllt und Abmarsch.

Zeit

Ich bringe Mucki in die Kita, fluche vorher leise dutzende Male über den Verkehr, höre halbherzig der Morning Show von Radio Energy zu und komme ca. 30 min nach dem ersten Läuten des Weckers wieder Zuhause an:

Erstmal Stille!

Hallo und guten Morgen. Meine Synapsen kommen nach dem ersten Kaffee so langsam in Fahrt und ich beginne den Tag kommunikationstechnisch erstmal mit mir selbst. Herrliches Gefühl, so ungestört zu sein. Der Morgenmuffel sagt leise Servus und die Laune hebt sich. Heute ist nämlich mein freier Tag.

Zeit

Davon habe ich zum Glück zwei in der Woche. Jedes Mal sag ich mir, an dem mache ich einfach was ich will. Und wenn meine Tagesaufgabe Chillen und Faulenzen ist, auch gut! Heimlich weiß ich schon längst, dass es niemals dazu kommen wird, denn es warten wieder zahlreiche Aufgaben auf mich.

Dem Spagat zwischen Kind und Karriere sei Dank. Der Nachwuchs ist ein paar Stunden aus dem Haus, also wird alles mögliche im Haushalt, dem Job oder für den Ehemann erledigt. Allem voran selbst angetrieben vom ständigen Perfektionismus und dem Anspruch eine 24/7 #supermom zu sein, ist das Leben auf einmal so hektisch geworden.

Die „cherry on top“ bildet da noch die regelmäßige Pflege der eigenen Beziehung und Ehe. Ich gebe zu, auch ich komme wirklich regelmäßig an meine Kraftreserven und es ist keine Seltenheit, dass ein Crewmitglied aus meinem Team unzufrieden mit meiner Performance ist.

Stichwort: Quality Time

Happy Family, ein Hashtag der gern unter tolle Bilder mit der Familie und den Kindern verwendet wird. Das diese Zeit Seltenheitswert besitzt und wirklich harte Arbeit bedeutet, verstehen die Wenigsten.

Zeit

Nicht nur, dass die Erwartungshaltung an mich selbst mir die letzten Haare vom Kopf frisst, nein, ich denke ständig zusätzlich daran, wie ich die Zeit mit der Familie und für mein Kind wertvoller gestalten kann. Vielleicht geht es euch auch so, aber mich beschäftig ganz oft die selbe Frage:

Wie kann ich mein Kind auch nach der Kitazeit noch wertvoll bei Laune halten?

Vor allem in der kalten Jahreszeit ist einfach nach Hause fahren und mit sich selbst spielen lassen, keine Option für mich. Das stelle ich mir auf Dauer ziemlich langweilig für unsere Mucki vor und irgendwie wäre es in meinen Augen auch ein Armutszeugnis an meinen Job als Elternteil. Oft mangelt es mir dann aber an den richtigen Alternativen um sie wertvoll zu fördern.

Die Zeit gemeinsam erleben

Weniger ist mehr. Dessen bin ich mir total bewusst. Einfach das Zimmer voller Spielzeug stellen, ist keine Lösung für uns. Wie viel genau im Zimmer griffbereit steht, interessiert gefühlt kaum ein Kind. Es will die Momente mit Mama und Papa erleben, ist doch klar.

Die Kindheit prägt uns gefühlt bis ins hohe Alter. Wer selbst auf die eigene Zeit als Kind zurückblickt, erinnert sich in Bezug auf das vorhandene Spielzeug allenfalls an das jeweilige Lieblingskuscheltier, das auf Reisen oder beim Einschlafen nicht fehlen durfte.

Und dann?

Filmriss. Zumindest bei mir. Keine besonderen Erinnerungen kommen da, welches Kleid ich beim Radfahren mit Papa im Park getragen habe, welche Gummistiefel im Wald auf ihren Einsatz gewartet haben oder welche Brotdose ich im Zoo neben meiner Oma aus dem Rucksack gezogen habe.

Vielmehr denke ich zurück an eine Zeit großer Verblüffung über die Welt, in der ich lebe. Die vielen Erinnerungen, von denen ich damals nächtelang geträumt habe, machen mich heute ein stückweit aus.

Früher und Heute

Ihr versteht hoffentlich auf was ich hinaus will. Das Konsumverhalten hat sich natürlich seit meiner Zeit als Kind total verändert und Social Media trägt oftmals dazu bei, dem Nachwuchs unnötig Zeug ins Zimmer zu stellen, weil es einfach einfacher ist.

Auch ich kaufe manchmal einfach viel zu viel, weil ich glaube das Kind könnte Daheim zu wenig haben. Die Frage, ob die Maus das wirklich braucht um happy zu sein, verfolgt mich dabei schnell. Ich denke ich kenne die Antwort bereits.

NEIN.

Früher sind die Eltern und Großeltern zum Spielen nach Draußen gegangen. Auf in die Natur hieß es. Wie oft bin ich dabei in den nahliegenden Stadtpark gedüst um Kastanien, Blätter oder Äste zu sammeln? Je mehr desto besser, dachte ich mir. Kann bestimmt zum Basteln gebraucht werden.

Warum machen wir das heute seltener? Ganz einfach, weil wir uns zu viele Termine in einen Tag stopfen und überambitioniert durchs Leben stapfen.

Mucki freut sich vielmehr über einen Nachmittag auf dem Spielplatz, Rumturnen im Park, ein Treffen mit ihren Freunden oder ein Eis-Date mit der großen Cousine, als ein vollgepacktes ultra-sytlisches Kinderzimmer, in dem Niemand mit einem Spielen will oder es aus Zeitgründen nicht kann.

Zeit

In der Wohnpsychologie haben wir gelernt, das Wohnbedürfnisse durch Farben, Licht und Mobiliar das Kind positiv aktivieren, sich wohl zu fühlen. Das Zimmer dabei mit Spielzeug zu überladen, gehört allerdings nicht dazu.

Ich beobachte Mucki sehr genau und immer häufiger fällt mir dabei auf, dass sie sehr freiheitsliebend agiert und gern für sich allein auf Entdeckungsreise geht. Das Revier abchecken, einfach Spaß haben und dabei zu Mama blicken und nach dem Rechten sehen, ist total ihr Ding.

Spielzeug ist in diesen Momenten unwichtig. Wird gar nicht erst wahrgenommen, denn die Umwelt und ihre Einflüsse ist größer, als Spielzeug es je sein könnte. Da findet sich kein Platz für blinkendes Kunststoff oder digitale Medien. Es wird sich mit sich selbst, der Natur und den aktuellen Geschehnisse befasst. Keine Ablenkung, kein Stress, kein Vergleich.

Das Leben kann so schön sein.

Danke Mucki, dass du mich immer wieder daran erinnerst. Du zeigst mir, dass mein Anspruch, dich glücklich machen zu wollen, manchmal einfacher umzusetzen ist, als angenommen. Du erkennst schnell die kleinen Dinge, die wirklich zählen und ich freue mich darüber, dass du mir manchmal mehr mitgibst, als ich es jemals für möglich gehalten habe.