Windelfrei- ein langer Prozess beginnt

Windelfrei: Die ersten Anzeichen hatte mir unsere Tochter vor rund sechs Monaten schon gegeben. Zu dumm nur, dass meine lange Leitung im Weg stand und ich ihre Hinweise noch gar nicht mit dem ersten Verlangen, die Windel abzulegen, in Verbindung gebracht hatte.

Es begann Folgendermaßen.

Mucki hatte von einem Tag auf den anderen darauf bestanden, ihre Windel nach dem Wickeln selbst wegzuwerfen. Sie ging mit ihren rund 20 Monaten morgen für morgen voller Tatendrang zur Haustüre und platzierte ihre Duftbeutelchen präzise vor dem Eingang. Konsequent wiederholte sie diese Art von Ritual wochenlang. Amüsiert darüber, dachte ich mir nichts weiter dabei und ließ sie nur machen.

Windelfrei

Mensch, so ein gescheites Kind

Ich mutmaßte, dass sie sich das bei uns abgeschaut haben musste. Wir machten das mit dem Müll nämlich ganz genau so und brachten nach Verlassen des Hauses die Beutel zur Tonne. Gut aufgepasst mein Kind, dachte ich damals noch voller Stolz.

Als Mucki dann plötzlich mir nichts, dir nichts einen Sinneswandel bekam und die Windeln nicht mehr vor unserer Eingangstür platzieren wollte, sondern den direkten Weg in unsere Toilette wählte, musste ich erstmal laut lachen.

Auf was für Ideen sie da manchmal kam, einfach lustig dieses Kind. Als ich die Geschehnisse am Abend aber dann doch nochmal Revue passieren lies, begann ich auf einmal zu verstehen, was meine Tochter mir da eigentlich die ganze Zeit mitteilen wollte.

Weg mit der Windel, Mama!

Wie vom Blitz getroffen, griff ich zum Telefon und bestellte ihr noch in der selben Nacht ein eigenes Töpfchen. Angekommen, platzierte ich es direkt neben unserer Toilette und begann fortan mehrmals täglich zu fragen, ob wir nicht mal gemeinsam das neue Töpfchen ausprobieren möchten. Mucki war nicht sonderlich „amused“ über das neue Ding im Bad und ignorierte es lieber.

Windelfrei

Mit jedem Anlauf sie auf’s Töpfchen zu bringen, wurde ihre Abneigung nur noch größer und plötzlich wollte sie dann auch keine ihrer Windeln mehr allein entsorgen. Nachdem ich ihr erklärt hatte, das wir sie aber auch nicht in die Toilette schmeißen könnten, war sie mir endgültig beleidigt.

Echt Jetzt? Ich verstand die Welt nicht mehr und ein großes Fragezeichen begleitete mich durch die nächsten Tage. Wieso kommen wir hier auf keinen grünen Zweig und warum war ich des Rätsels Lösung nur so fern?

Alles wieder auf Anfang

Es passierte lange Zeit erstmal gar nichts mehr. Das Töpfchen blieb unberührt im Bad stehen und mutierte allmählich zum Staubfänger. Keines Blickes gewürdigt, suchte ich nach Wochen der Ignoranz einen prominenteren Platz für das Teil.

Ich entschied mich für das Kinderzimmer. Direkt vor der Garderobe neben ihrem Kleiderschrank und unweit des Schlafbereichs wurde der Thron aufgestellt. Ich war bereit für einen neuen Versuch und hoffte, sie war es auch.

Windelfrei, Klappe die Zweite.

Sie bemerkte die Veränderung schneller als gedacht und wollte sich einen Tag später prompt draufsetzen. Na also, geht doch, dachte ich mir. Voller Freude riss ich ihr schnell noch die Windel vom Leib und hoffte insgeheim auf ein kleines Wunder.

Leider wurde mein Enthusiasmus nicht belohnt. Nach wenigen Sekunden sprang die Gute wie von der Tarantel gestochen auf, riß sich die Hose wieder hoch und stapfte unbeeindruckt aus dem Zimmer.

Sitzung beendet.

Der Sommer kam, die Windel allerdings blieb. Ich wollte keinen Druck mehr ausüben, also ignorierten wir gemeinsam ziemlich erfolgreich den „Pipi-Thron“.

Irgendwann begann sie dann, sich im Schlaf immer öfter an der Windel rum zu zuppeln. Heftiges Kratzen an den Nähten der Windel ließ mich dann endgültig aufhorchen. War das etwa wieder ein neues Anzeichen?

Dieses Mal wollte ich unbedingt vorbereitet sein. Ich hatte das Thema bereits in der Krippe angesprochen und Hand in Hand wollten wir daran arbeiten, Mucki endlich windelfrei zu machen.

Mucki unser Nackidei

Mit steigenden Temperaturen beschlossen wir, sie so oft es ging, nackt herumlaufen zu lassen. Leider nur mit mäßigem Erfolg. Der Juckreiz wurde zwar besser, allerdings mussten meine Füße und unser alter Dielenboden einiges aushalten.

  • Wie oft haben sie in einer Pfütze aus Kinderurin baden müssen, bis Madame es verstanden hatte, mir vorher Bescheid zu geben?
  • Wie oft bin ich dann mit ihr zum Bad gerannt und habe mit ihr zusammen gewartet, doch es kam einfach nix mehr?
  • Wie oft haben wir dumm aus der Wäsche geschaut, als das Plantschbecken bei Oma und Opa verunreinigt war?

Ich sags euch, Oft!


Windelfrei in diesem Sommer, Pustekuchen! Das konnten wir uns abschminken. Ein glatter Schuss in den Ofen. Ich war verzweifelt und suchte mir Rat im Netz. Wie machten das denn die anderen Muttis so?

Ich hatte das Thema wirklich unterschätzt und sogar insgeheim gehofft, dass die Krippe es schon richten würde. Die kürzlichen Erfahrungen darüber haben mich schnell eines Besseren belehrt. Sämtliche Töpfchen und Toilettenaufsätze konnten Mucki nicht dazu bringen, ihre geliebte Windel aufzugeben. Aber dann…

Die Rettung

Es fiel mir wie Schuppen von den Augen. Ein Belohnungssystem musste her. Na klar. Wieso bin ich nicht gleich von selbst darauf gekommen. Meine Mama hatte mir damals das Laufen doch auch durch Hinhalten eines Schokoriegels schmackhaft gemacht. Wieso also nicht auch bei meiner Mucki mit einem alten Trick aus der Pädagogik arbeiten.

Pawlow hatte uns den Erfolg durch seine Theorie der klassischen Konditionierung doch schon längst bestätigt.

Fieberhaft überlegte ich mir ein geeignetes Belohnungssystem und vor einigen Tagen haben wir dann begonnen, es in unseren Alltag zu implementieren.

Die Regeln waren einfach.

Für jeden Gang auf’s Klo oder das Töpfchen und ein erfolgreiches Gelingen, gab es zur Belohnung Nagellack auf die Zehnägel.

Windelfrei

Ein Nagel für das kleine Geschäft, zwei Nägel für das Große. Die Farbe durfte selbst bestimmt werden. Ihr hättet ihre Augen sehen sollen. Sie verstand es sofort und stürmte direkt ins Bad.

Nach wenigen Sekunden dann der lang ersehnte erste Erfolg. Ich bin fast geplatzt vor Stolz. Ihre Belohnung folgte prompt. Ich bemalte zwei große Zehen in leuchtendem pink und Mucki beäugte vergnügt ihre Füße. Auch sie war stolz. Das erste Mal windelfrei, wow!

Ich hatte bisher noch nie Anstalten gemacht, ihr die Nägel zu lackieren. Es erschien mir lange Zeit einfach unnötig und viel zu früh für ihr Alter. Das Zeug greift bei regelmäßiger Anwendung schließlich den Nagel an, also wollte ich auf einen passenden Moment warten. Dieser hier war einfach perfekt.

Belohnungssystem Windelfrei

Stand Heute

Nun trägt Mucki bunte Nägel und wird für ihren Erfolg direkt belohnt. Komplett windelfrei sind wir zwar nicht, aber ich bin optimistisch und das Jahr ist ja auch noch nicht ganz rum. Der Grundstein ist erstmal gelegt und wir freuen uns gemeinsam mit ihr über diesen tollen Meilenstein in ihrer Entwicklung.

Auf Nachfrage hin geht sie meistens direkt auf Toilette, manchmal vergisst sie aber auch Bescheid zu geben und dann läuft’s nur so durch. Deshalb sind wir oft noch mit Windel unterwegs und entscheiden uns im letzten Moment doch lieber für die sichere Variante.

Ihr seht also, dieser Meilenstein hat mehrere Etappen und wir stehen noch total am Anfang. Wenn ihr weitere wertvolle Tipps für uns habt, wir lernen gern dazu und sind offen für jeden Ratschlag.

Vor allem bei der Ankündigung läuft es bei uns noch ziemlich unrund. Es ist mehr dem Zufall geschuldet, dass wir es noch rechtzeitig zur Toilette schaffen, als das sie uns vorher Bescheid gibt. Wer also Ideen hat, immer her damit.