Die Bad Mom- Geständnisse einer Mutter

Ich bin kein besonders geduldiger Mensch. Meine Meinung sage ich meinem Gegenüber gerne lautstark und ohne Umschweife einfach mitten ins Gesicht. Ich bin sehr direkt und lasse meine Mitmenschen auch schonmal ungefragt wissen, in welchem Zustand sich meine Seele gerade befindet. Wer mit meiner Ehrlichkeit nicht klar kommt, sollte lernen, einen Bogen um mich zu machen. Der klassischen Definition einer Zicke entspreche ich. Interessiert mich das? Nicht wirklich…

Trotzdem

wer nun glaubt, ich kann nicht lieb sein, der irrt. Eine ganz besondere Person in meinem Leben schafft es täglich, den Tiger in ein sanftes Kätzchen zu verwandeln und das gibt mir Hoffnung. Hoffnung nicht alles falsch gemacht zu haben. Seelenfrieden zu verspüren, auch wenn das Kind unter meinem Zorn leiden muss und trotzdem noch voller Freude am Abend in meine Arme stürmt. Meine Tochter! Zwei Jahre alt, provokant, voller Energie und immer gut gelaunt. Besonders am Morgen möchte ich sie dafür gern hassen, allerdings arbeite ich bis heute noch an der Umsetzung.

„Kleine Machtkämpfe“

Wohin also mit dem angestauten Frust über die Diskussionen am Morgen, beim Essen, beim Zähne putzen, beim Anziehen, auf dem Spielplatz, beim Wickeln oder in der Badewanne? Mit ihren Marotten bringt sie mich in einer brutalen Regelmäßigkeit schier zur Weißglut.

Bad Mom

Diese Stimmungsschwankungen bestehend aus Freude, Euphorie und Zustimmung, dicht gefolgt von Wut, Empörung und anschließender Trauer hält ja kein normaler Mensch aus. Gefühlschaos nonstop und die ungeduldige Mutter, die ihrer Tochter die Meinung nicht geigen kann, mittendrin.

Nicht zu können heißt in meinem Fall, nicht zu wollen.

Natürlich bekommt Madame auch mal etwas lauter meinen Zorn zu spüren, aber gefühlt rede ich da gegen eine Wand. Den unschuldigen Blick mit den großen braunen Rehaugen hat sie nämlich so sehr perfektioniert, dass mir zwar der Dampf aus den Ohren steigt, aber der Mund keinen weiteren Ton ausspucken kann.

Manchmal muss ich sogar einfach nur Lachen und der Ärger scheint auf einmal wie weggeblasen. Diese Mucki hat mich voll im Griff. Angebunden an der unsichtbaren Erziehungsleine, folge ich ihr wie ein Hündchen und füge mich protestlos ihren Anweisungen. Ich wünschte es wäre anders, aber seien wir ehrlich, die Kids geben öfter den Ton an als uns lieb ist.

Mein neues Ich

Ich bin vielleicht nicht mehr die knallharte Frau, die schnell an die Decke springt und ihre Mitmenschen in Sachen Empathie wie eine Dampfwalze platt macht, aber mal im Ernst:

Muss ich deshalb traurig sein?

Ich bin müde vom ganzen Diskutieren und Welt erklären. Kriegsentscheidend ob sie nun bei 30 Grad Gummistiefel und Badeanzug trägt oder ihr Lieblingsstofftier mit ins Meer und auf den Spielplatz schleppt, ist das schon lange nicht mehr für mich. Hier kommt sie, die große Erkenntnis. Ich bin eben eine Bad Mom.

So what!

Es gibt Momente an denen ich meine guten Vorsätze als vorbildliche Mutter über Bord werfe. Somit sitzt mein Kind manchmal bewusst von mir geparkt vor dem iPad, weil ich auch mal meine Agenda mit den To Do’s von letzter Woche abarbeiten möchte. Was ist so schlimm daran, wenn eine Zweijährige mit Mama ein Tafel Milka in Rekordzeit wegatmet? Warum immer wieder schimpfen und aufregen, wenn sie die sandigen Schuhe Tag für Tag eben im Hauseingang anstatt davor ausleeren möchte? So what.

Wenn ich es schaffe, in solchen Momenten Ruhe zu bewahren, verspüre ich sofort große Erleichterung. Diese Art von Toleranz ist noch ganz neu für mich, aber hilft sie mir beim richtigen Weg „Dampf abzulassen“. Über den Dingen stehen, nicht aufregen, einfach Lachen und die Ungeduld damit besiegen. Ist alles irgendwie nur halb so schlimm, wenn man es mit Humor versucht. Persönlichen Ärger am eigenen Kind auszulassen, weil die Erziehungssituation einen überfordert, geht in Ordnung. Passiert jeder Mutter. Ich verstehe eben manchmal auch Muckis Welt nicht mehr. Warum sollte es ihr mit meiner Welt anders gehen? Manche reden einfach nur nicht darüber und lassen den Dampf hinter verschlossener Türe ab.

Licht am Ende des Tunnels

Für mich ist Schluss damit. Ich möchte meinen Unmut nicht an einer Zweijährigen auslassen. Denn auch diese Momente haben eine Bedeutung. Wenn sie es mir besser vermitteln könnte, würde sie es sicher tun. Mir hat das Buch von Jesper Juul in dieser Erziehungsphase sehr weitergeholfen. Ich kann die Reaktionen meiner Mucki jetzt besser deuten und weiß, dass sie mich mit ihrem Verhalten nicht absichtlich ärgert.

Ich reagiere gelassener und setze mich selbst weniger unter Druck. Leben und leben lassen. Mit diesem Ansatz sind Mucki und ich zu einem unschlagbaren Team geworden und ich bin stolz auf mich und unsere Beziehung zueinander.

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Ich habe gelernt, auch störendes Verhalten in Botschaften zu übersetzen. Unsere Beziehung, insbesondere das Verständnis für die Reaktion des Anderen hat sich von Grund auf verbessert. Neue Werte der Kinderziehung und eine andere Sichtweise haben mich eines Besseren belehrt und mir zu mehr Geduld für mein Kind verholfen. Die Veränderung und Erkenntnis darüber, mich mit meinem Schwächen in der Kindererziehung aktiv auseinander zu setzen, haben mich im Endeffekt viel glücklicher, ruhiger und zufriedener gemacht.